Kleidung richtig pflegen: Mein großer Pflege-Guide für Deine Lieblingsteile

Soll ich neu gekaufte Kleidung erst einmal waschen? Ist das bügelfrei? Wird der Pullover fusseln? Das sind richtig gute Fragen, und wir hören sie im Laden fast jeden Tag. Zeit für einen ausführlichen Pflege-Guide.

Wer uns schon länger folgt, weiß: Der Pflege Deiner Haut schenken wir sehr viel Aufmerksamkeit. Die Pflege Deiner zweiten Haut, also Deiner Kleidung, ist fast genauso wichtig. Im Laden reden wir mit Dir oft über die richtige Pflege von Wolle, TENCEL™ oder Deiner Jeans. Diese Tipps teile ich jetzt hier mit Dir. Und glaub mir: Kleidungspflege kann fast genauso viel Spaß machen wie Hautpflege.

1. Handle with care – und don’t overcare

Diese Hinweise sind Dir vielleicht schon auf den Etiketten Deiner liebsten Fair-Fashion-Labels aufgefallen. Gemeint ist: Geh sorgsam mit Deiner Kleidung um, halte Dich an die Waschanleitung und wasche so wenig wie möglich. Denn je häufiger ein Teil in der Maschine landet, desto mehr leiden Stoff, Farbe und Print. Viele Teile, die vorzeitig ausgeleiert, verfilzt oder ausgeblichen sind, wurden schlicht zu oft, zu heiß oder mit dem falschen Waschmittel gewaschen.

2. Muss neue Kleidung vor dem ersten Tragen gewaschen werden?

Ich bin 1978 geboren und erinnere mich noch gut daran, dass meine Mama neu gekaufte Kleidung immer erst einmal gewaschen hat. Sie wollte „das Gift herauswaschen“, und bei Second-Hand-Teilen den Mief. Bei konventioneller Mode, gerade aus dem Fast-Fashion-Bereich, können Rückstände aus Färbung und Ausrüstung tatsächlich ein Thema sein.

Bei uns sieht das anders aus: Viele unserer Teile sind nach Standards wie GOTS oder OEKO-TEX® zertifiziert, die strenge Vorgaben für den Einsatz von Chemikalien machen bzw. Grenzwerte für Schadstoffe prüfen. Deshalb unsere Empfehlung: Neue Fair Fashion musst Du vor dem ersten Tragen nicht waschen. Zieh Dein neues Lieblingsteil einfach an. Wenn Du sehr empfindliche Haut hast oder Dich mit einer ersten Wäsche einfach wohler fühlst, spricht natürlich nichts dagegen. Was die Siegel bedeuten, erklären wir in unserer Siegel-Übersicht.

3. Lüften statt waschen

Dein Kleid müffelt ein bisschen und sieht nicht mehr ganz frisch aus? Bevor es in die Wäsche wandert: Häng es über Nacht auf den Balkon oder ans offene Fenster. Oft reicht frische Luft völlig, um Gerüche loszuwerden. Das gilt besonders für Wolle, die Gerüche gut wieder abgibt, und für Hosen und Jeans, die heute meist viel zu oft in der Maschine landen. Kleine Flecken lassen sich mit einem feuchten Tuch vorsichtig austupfen, ohne dass gleich das ganze Teil gewaschen werden muss. Und noch besser als Lüften ist ein kurzer Dampfstoß mit einem Steamer, mehr dazu weiter unten.

Bei Wolle und Hanf hilft es außerdem, zwischen dem Tragen ein paar Tage Pause einzuplanen. Die Fasern erholen sich, und das Teil kommt wieder in Form.

Eine Ausnahme gibt es natürlich: Unterwäsche bitte regelmäßig waschen. 😉

4. Die Vorbereitung ist das A und O

  • Auf links drehen: Das schützt die Oberfläche und Drucke vor Abrieb.
  • Reißverschlüsse und Knöpfe schließen: So verhakt sich nichts, und die Zähne des Reißverschlusses reißen keine Löcher in andere Teile.
  • Nach Farben und Programmen sortieren: Weiß nicht mit Bunt, und feine Teile wie fließende Kleider nicht mit groben wie Jeans.
  • Wäschenetze nutzen: Für Unterwäsche, Wolle und Feines wie TENCEL™ oder Seide. Je feiner ein Teil, desto eher gehört es ins Netz.
  • Flecken vorbehandeln: Zum Beispiel mit Gallseife. Dabei lieber tupfen als reiben.
  • Die Trommel nicht zu voll beladen: So entstehen weniger Falten und weniger Abrieb.

5. Weniger ist mehr: Programm, Temperatur, Waschmittel

Beim Waschen gilt bei allem: sanftere Programme, weniger Umdrehungen, niedrigere Temperaturen und weniger Waschmittel. Allein die Temperatur macht einen großen Unterschied, denn ein Großteil der Energie beim Waschen geht in das Aufheizen des Wassers. 30 °C reichen für die meisten Teile völlig aus.

Ein kleiner Blick hinter die Kulissen: Ich habe viele Jahre als Key Account Managerin für Ecover gearbeitet, einen Hersteller ökologischer Wasch- und Reinigungsmittel, und den Bio-Fachhandel zum Thema Waschen und Putzen beraten. Meine wichtigste Erkenntnis aus dieser Zeit: Die meisten nehmen viel zu viel Waschmittel. Richte Dich nach der Dosierangabe für Deinen Verschmutzungsgrad und Deine Wasserhärte. Und wenn Du unsicher bist: Nimm ein sanfteres Programm, weniger Umdrehungen und ein Flüssigwaschmittel. Das reicht in der Regel locker aus.

Warum muss man bei Fair Fashion eigentlich mehr beachten? Viele günstige Teile bestehen ganz oder teilweise aus synthetischen Fasern. Die sind oft pflegeleichter, fühlen sich aber auch anders an. Naturfasern wie Wolle, Leinen oder Lyocell danken Dir die etwas sorgsamere Pflege dafür mit einem besonderen Tragegefühl.

6. Pflege nach Material

Bio-Baumwolle: Im Programm „Pflegeleicht“ bei 30 bis höchstens 40 °C und 800 bis 1.000 Umdrehungen waschen, dunkle und bunte Teile getrennt. Je dünner das Teil, desto sanfter das Programm. Baumwolle kann beim ersten Waschen etwas einlaufen, bei vielen Teilen bis zu etwa 5 %, deshalb lieber nicht in den Trockner.

Strick aus Baumwolle: Bei 30 °C im Wäschenetz mit 600 bis 800 Umdrehungen. Nicht zu wenig schleudern, sonst ist der Strick so nass und schwer, dass er sich beim Trocknen in die Länge und Breite zieht.

Wolle und recycelte Wolle: Wolle muss in der Regel kaum gewaschen werden, denn sie ist von Natur aus wenig anfällig für Schmutz und Gerüche. Lüften reicht meistens. Wenn doch, dann kalt bis höchstens 30 °C im Wollprogramm oder per Hand, mit Wollwaschmittel. Bitte unbedingt das Etikett beachten, denn manche Teile dürfen gar nicht in die Maschine. Nicht lange einweichen, sonst quillt die Wolle auf und verformt sich. Zum Trocknen das Teil zwischen zwei Handtücher legen, das Wasser sanft herausdrücken statt auszuwringen und liegend trocknen, nicht in der Sonne und nie im Trockner. Unsere Wollauswahl findest Du bei den Pullovern und Strickjacken.

Lyocell (z. B. TENCEL™), Modal und Viskose (z. B. LENZING™ ECOVERO™): Diese Fasern sind bei höheren Temperaturen empfindlich, maximal 30 °C sind hier wirklich der Schlüssel zum Glück. Im Fein- oder Wollwaschgang mit 400 bis 600 Umdrehungen auf links waschen, am besten mit einem enzymfreien Flüssig-Feinwaschmittel ohne Aufheller. Zu viel Waschpulver und eine hohe Schleuderzahl können helle Streifen hinterlassen. Nicht in den Trockner, direkt aus der Maschine nehmen und auf dem Bügel oder liegend trocknen, Viskose nicht in der Sonne, sonst bleichen die Farben aus. Auch diese Fasern können bis zu etwa 5 % einlaufen.

Leinen und Hanf: Bei höchstens 30 °C im Feinwaschgang, die Trommel nur halb beladen, damit Leinen nicht zu stark knittert. Danach in Form ziehen und liegend trocknen. Feinen Strick aus Leinen oder Hanf am besten von Hand waschen.

Seide: Von Hand oder im Feinwaschgang bei niedriger Temperatur auf links, mit mildem Seidenwaschmittel. Leicht feucht und mit einem Baumwolltuch dazwischen bügeln, oder einfach aufdämpfen.

Recyceltes Polyester: Bei 30 °C und eher selten waschen, denn beim Waschen synthetischer Stoffe lösen sich feine Fasern. Spezielle Wäschebeutel fangen einen Teil davon auf.

Leder: Groben Schmutz mit einer weichen Bürste oder einem feuchten Tuch entfernen, nie reiben oder kratzen. Mit einem Pflegemittel behandeln, das zur Lederart passt. Stark verschmutzte Teile gehören in die professionelle Reinigung.

7. Trockner und Weichspüler

Verzichte, wann immer es geht, auf den Trockner. Er braucht viel Energie, und manche Teile leiden regelrecht: Die Gummibänder von Unterwäsche werden mit jedem Trockengang poröser, Wolle und Lyocell können einlaufen, und Elasthan wird durch Hitze spröde. Einen Vorteil hat der Trockner allerdings: Handtücher werden darin weich, worüber sich gerade empfindliche Haut freut.

Wer keinen Trockner hat und weiche Handtücher möchte, kann zu einem Weichspüler greifen, zum Beispiel einem duftfreien oder natürlich duftenden aus dem Bio-Supermarkt. Aber bitte sparsam: Weichspüler ist ein Luxusprodukt, und für Jeans mit Stretch-Anteil ist er tabu, weil er die Elastizität beeinträchtigen kann.

8. Extra-Kapitel: Deine Jeans

Eine Jeans muss viel seltener in die Wäsche, als die meisten denken. Gerade die individuellen Falten und Farbverläufe machen sie mit der Zeit zu Deiner Jeans, und jede Wäsche nimmt ein bisschen davon. Nach dem Tragen auslüften reicht oft völlig. Wenn Du wäschst:

  • Auf links drehen und den Reißverschluss schließen.
  • Kalt bis höchstens 30 °C mit Color- oder Feinwaschmittel, im Schongang mit höchstens 800 Umdrehungen.
  • Keinen Weichspüler verwenden.
  • Nicht in den Trockner und möglichst nicht bügeln, denn Hitze macht Elasthanfasern spröde.
  • Nasse Jeans nicht lange in der Trommel liegen lassen.

Ein Tipp aus dem Laden, den kaum jemand kennt: Zieh Deine Jeans nie an den Gürtelschlaufen hoch, sondern immer am Bund. Sonst reißen die Schlaufen aus oder es entstehen Löcher an den Nähten.

Den beliebten Trick, Jeans ins Gefrierfach zu legen, kannst Du Dir übrigens sparen: Nach heutigem Wissen überstehen die meisten Bakterien die Kälte. Auslüften hilft gegen Gerüche genauso gut. Wie Du überhaupt die richtige Jeans findest, erzählen wir Dir in unserem Beitrag zur Jeans-Beratung in Hamburg.

9. Der Gamechanger: Steamen statt Bügeln

Ganz viele fragen uns, ob die schönen Teile aus fließenden Stoffen bügelfrei sind. Meine ehrliche Antwort: Wenn Du sie nicht bügelst, sind sie bügelfrei. Du musst gar nichts. Bei Lyocell, Viskose, Modal, Seide und manchmal auch Baumwolle macht ein bisschen Glätten aber einen echten Unterschied.

Mein Tipp, der Deine Einstellung zum Bügeln ändern wird: Fang an zu steamen. Ein Steamer glättet mit heißem Dampf, ohne dass die Fasern direkt mit einer heißen Bügelsohle in Kontakt kommen. Das geht schnell, macht Spaß und hat noch mehr Vorteile:

  • Deine Kleidung sieht in wenigen Minuten wieder frisch aus.
  • Der Dampf hilft gegen Gerüche, und so sparst Du Dir so manchen Waschgang.
  • Auf Reisen kannst Du Dir das Bügeln vor der Abfahrt sparen und frischst die Teile vor Ort auf.

Und ganz ohne Gerät: Häng Dein zerknittertes Teil ins Badezimmer, während Du duschst. Der Dampf glättet die Falten fast von allein. Beim klassischen Bügeln immer die Temperaturangabe auf dem Etikett beachten und bei empfindlichen Stoffen ein feuchtes Tuch zwischen Bügeleisen und Stoff legen.

10. Wird mein Pullover fusseln?

Wenn es ein reiner Wollpullover ist: ja, wahrscheinlich. Die kleinen Knötchen heißen Pilling und entstehen durch Reibung, vor allem bei weichen, feinen Fasern. Das ist bei echter Wolle ganz normal und kein Qualitätsmangel. Mischgewebe mit einem hohen Anteil synthetischer Fasern pillen manchmal weniger. Entfernen kannst Du die Knötchen mit einem Wollkamm, einem Fusselrasierer oder einer feinen Schere. Bitte nicht abreißen, sonst wird die Faser beschädigt.

11. Richtig aufbewahren

Strick und Wollpullover liegen am besten gefaltet im Schrank, auf dem Bügel ziehen sie sich mit der Zeit in die Länge. Blusen und Kleider aus Lyocell oder Viskose dürfen hängen. Viele legen Lavendelsäckchen oder Zedernholz in den Kleiderschrank, weil Motten diesen Duft meiden sollen. Am wichtigsten ist aber, nur saubere Wolle wegzuräumen und den Schrank regelmäßig zu lüften.

12. Reparieren statt aussortieren

Ein abgerissener Knopf, eine aufgegangene Naht oder ein kleines Loch im Pullover sind kein Grund, ein Lieblingsteil auszusortieren. Knöpfe und kleine Nähte bekommst Du mit Nadel und Faden selbst hin, für größere Reparaturen gibt es Änderungsschneidereien. Löcher im Strick lassen sich stopfen, ganz unsichtbar oder bewusst mit farbigem Garn als kleines Statement.

13. Erste Hilfe bei Flecken

Rotwein: Mit Wasser auswaschen und Salz auf den Fleck geben, bei Kaschmir oder Seide besser Trockenshampoo. Danach vorsichtig ausbürsten und waschen.

Kaffee: Mit Mineralwasser oder warmem Leitungswasser auswaschen. Ist der Fleck schon getrocknet, mit Salz oder Natron bestreuen und vorsichtig ausbürsten.

Fett und Öl: Zuerst mit einem Papiertuch aufsaugen, dann mit warmem Wasser und etwas Spülmittel auswaschen. Bei älteren Flecken auf robusten Stoffen hilft Gallseife.

Make-up: Auf robusten Stoffen mit Gallseife oder Natron behandeln, bei empfindlichen Stoffen ein mildes Fleckenmittel vor der Wäsche auftragen.

Schweiß: Über Nacht in lauwarmem Wasser mit einem Schuss Essig einweichen, am nächsten Tag kalt ausspülen und normal waschen.

Wichtig: Gallseife und Hausmittel immer zuerst an einer unauffälligen Stelle testen.

Häufige Fragen

Warum ist mein Pullover eingelaufen?
Meist war das Wasser zu warm, die Schleuderzahl zu hoch oder der Pullover kam in den Trockner. Bei Wolle kommt normales Waschmittel als Ursache dazu. Baumwolle und Lyocell können zudem beim ersten Waschen leicht einlaufen.

Wie oft sollte ich meine Jeans waschen?
So selten wie möglich. Viele waschen ihre Jeans nur, wenn sie wirklich schmutzig ist, und lüften sie dazwischen aus.

Kann ich Wolle in der Maschine waschen?
Ja, wenn das Etikett es erlaubt: im Wollprogramm, kalt bis 30 °C, mit Wollwaschmittel und wenig Umdrehungen.

Warum hat mein Shirt nach dem Waschen helle Streifen?
Bei Lyocell und Modal entstehen solche Streifen oft durch zu viel Waschpulver und zu hohe Schleuderzahlen. Flüssiges Feinwaschmittel und wenig Umdrehungen beugen dem vor.

Pflegetipps direkt im Laden

Du bist unsicher, wie Du ein bestimmtes Teil pflegen sollst? Frag uns einfach. Im WERTE FREUNDE Store in der Hamburger Altstadt beraten wir Dich nicht nur beim Kauf, sondern auch zur richtigen Pflege. Am Großen Burstah 42, nur wenige Schritte von der U3 Rödingsmarkt. Öffnungszeiten & Anfahrt

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