Wolle verstehen: Merino, Alpaka, Kaschmir und recycelte Wolle

Wenn es draußen kalt wird, greifen wir zu Wolle. Doch Wolle ist nicht gleich Wolle: Merino, Alpaka, Kaschmir, Bio-Wolle oder recycelte Wolle unterscheiden sich in Herkunft, Gefühl und auch darin, worauf du beim Kauf achten kannst. Wir geben dir einen Überblick – mit Beispielen aus unserem Sortiment.

Merinowolle und das Thema Mulesing

Merinowolle stammt vom Merinoschaf und ist besonders fein. Ein großer Teil kommt aus Australien. Dort ist bei Merinoschafen das sogenannte Mulesing verbreitet: Den Tieren werden Hautfalten im Bereich des Schwanzes entfernt, um einem Befall durch Fliegenlarven vorzubeugen. Der Eingriff ist schmerzhaft und wird von Tierschutzorganisationen seit Langem kritisiert.

„Mulesingfrei“ bedeutet, dass die Wolle von Schafen stammt, bei denen dieser Eingriff nicht durchgeführt wurde. Mulesingfreie Merinowolle verarbeiten zum Beispiel Klitmøller Collective und LANIUS.

Welche Standards gibt es für Wolle?

  • RWS (Responsible Wool Standard): Ein Standard der Organisation Textile Exchange mit Anforderungen an Tierwohl und Landbewirtschaftung. Mulesing ist dabei ausgeschlossen. Die Wolle wird entlang der Lieferkette nachverfolgt.
  • GOTS (Global Organic Textile Standard): Bei Bio-Wolle nach GOTS stammt die Wolle aus kontrolliert biologischer Tierhaltung, auch hier ist Mulesing nicht erlaubt.
  • RAS (Responsible Alpaca Standard): Das Gegenstück zum RWS für Alpakawolle, ebenfalls von Textile Exchange.
  • GRS (Global Recycled Standard): Bestätigt den Anteil recycelter Fasern und deren Nachverfolgung – für recycelte Wolle relevant.

Wichtig: Ein Standard gilt immer für das jeweils gekennzeichnete Produkt. Ob ein Teil zertifiziert ist, steht auf der Produktseite. Mehr dazu in unserer Siegel-Übersicht.

Alpaka

Alpakawolle stammt von den Alpakas der Anden, vor allem aus Peru. Besonders fein ist Baby-Alpaka, die Wolle aus der ersten Schur. INTI Knitwear verarbeitet Baby-Alpaka aus Peru von Lieferanten, die nach dem RAS zertifiziert sind. Gestrickt wird von Hand von Strickerinnen in Ecuador.

Kaschmir und recycelte Wolle

Kaschmir stammt von der Unterwolle der Kaschmirziege. In Prato in der Toskana hat das Recycling von Wolle und Kaschmir eine über hundertjährige Tradition. Dort fertigt Rifò Strick aus recyceltem Kaschmir und recycelter Wolle. Die Fasern werden nach Farben sortiert, sodass laut Marke oft kein erneutes Färben nötig ist.

Auch GIVN Berlin verwendet für ausgewählte Teile GRS-zertifizierte recycelte Wolle, dazu Bio-Wolle nach GOTS. JOHNNYLOVE verarbeitet ebenfalls recycelte Wolle.

Recycelte Wolle wird oft mit anderen Fasern gemischt, weil die Fasern beim Recycling kürzer werden. Die genaue Zusammensetzung steht immer auf dem Etikett und auf der Produktseite.

Wolle richtig pflegen

  • Lüften statt waschen: Wolle muss nicht nach jedem Tragen gewaschen werden. Oft reicht es, sie an der frischen Luft auszulüften.
  • Schonend waschen: Wenn nötig, von Hand oder im Wollprogramm mit Wollwaschmittel und kaltem bis lauwarmem Wasser. Nicht reiben oder wringen.
  • Liegend trocknen: Strick flach auf einem Handtuch trocknen lassen, damit er nicht aus der Form gerät.
  • Pflegeetikett beachten: Die Hinweise des Herstellers gehen immer vor.

Wolle anfassen und anprobieren in Hamburg

Wie sich Merino, Alpaka oder Kaschmir anfühlen, merkst du am besten selbst. Im WERTE FREUNDE Store in der Hamburger Altstadt kannst du Strick von verschiedenen Marken vergleichen, anprobieren und dich zu Material und Pflege beraten lassen – am Großen Burstah 42, nur wenige Schritte von der U3 Rödingsmarkt. Öffnungszeiten & Anfahrt

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